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Andreas Tschudin in der Serie „Hobbies und Leidenschaften der Carrossiers“ von Carwing

Im Rahmen der Serie «Hobbies und Leidenschaften der Carrossiers» von Carwing, in der Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen vorgestellt werden, wird deutlich, dass hinter handwerklichem Können stets auch persönliche Geschichten, individuelle Interessen und kreative Ausgleichsmöglichkeiten stehen. Es geht dabei nicht nur um den Beruf selbst, sondern ebenso um die Menschen dahinter – und darum, wie sie durch ihre Hobbys neue Energie schöpfen, Inspiration finden und ihre Begeisterung für Präzision und Technik auch ausserhalb der Werkstatt weiterleben. In diesem Kontext gewährt Andreas Tschudin, unser Techniker im Aussendienst, einen persönlichen Einblick in seine Hobbys und zeigt, was ihn neben dem Berufsalltag antreibt, wie er seine Freizeit gestaltet und mit welcher Leidenschaft er sich seinen ganz eigenen Projekten widmet.
 

Von Heinz Schneider (Text)

Der Weg ins 700-Seelen-Dorf nach Hubersdorf (SO) wirkt, als hätte jemand die Schweiz auf «Zurückspulen» gestellt: sanfte Hügel, ein paar verstreute Höfe, ein Dorfbach, der mehr murmelt als fliesst. Und mittendrin ein ehemaliger Bauernhof, den Andreas Tschudin und seine Lebenspartnerin Alexandra Roth gekauft haben – und heute mit der gleichen Hingabe bewirtschaften, mit der andere Leute Bonsais schneiden oder Modelleisenbahnen pflegen. Nur dass hier nichts miniaturisiert ist. Im Gegenteil: Es wuselt, miaut, bellt, gackert und brummt im Alltagstakt – eine Art Arche Noah, improvisiert, aber mit Herz.

 

Tschudin, gelernter Carrosserielackierer, heute als Techniker für «Axalta – André Koch» unterwegs, ist keiner, der über Tiere einfach hinwegschaut. Schon als Bub in Ormalingen (BL) fühlte er sich zu jenen hingezogen, denen das Leben miese Karten zugespielt hat – oder die einen schlechten Start erwischten. «Ich hab einfach gelitten, wenn sie litten», sagt er und zuckt mit den Schultern, als wäre das die normalste Sache der Welt. Vielleicht ist es das – zumindest für ihn.

Die Geschichte von «Driven» etwa, dem Border Collie mit der grossen Schnauze und etwas kleinerem Mut, erzählt er noch heute mit einem Anflug von Rührung. Ein Silvesterknall, und der selbsternannte vierbeinige Sheriff war ein Häufchen Panik. «Diese grossen, runden, ängstlichen Augen . . . ich werde sie nie vergessen», sagt Andreas. Man spürt, wie ihn das bis heute begleitet.

Danach ging alles fast zwangsläufig. Erst Hunde. Dann Katzen. Dann ein paar Hühner. Und irgendwann Alpakas. Heute stehen zehn dieser wolligen Gentlemen auf der Weide, zwei davon eigentlich zum Einschläfern vorgesehen. Keine Chance bei Tschudin und Roth. Hier kriegt jeder eine zweite Runde. Wer Glück hat, darf sogar Kindergeburtstage retten oder Spaziergänge begleiten – Alpakas als Eventmanager, warum eigentlich nicht?

Und dann die Katzen: zehn an der Zahl, selbstbewusst und eigen, wie es sich für Katzen gehört. Die Hühner – fünfzehn Stück, oft in erbarmungswürdigem Zustand angeliefert – blühen bei Alexandra und Andreas auf. Zwei Monate Zuwendung, und aus ex-leidenden Wesen werden wieder stolze Federtiere. «Wunderbare Tiere, wirklich. Da steckt so viel Charakter drin», sagt Andreas. Er erzählt von einer Henne, die ihren Znacht nur mit den Hunden einnahm. Oder von Lotti, die abends darauf gewartet hat, bis das Licht im Haus anging – und schon war sie auf Besuch. Ein herrliches Ritual, das man sich bildlich vorstellen kann. Dann kam der Fuchs. «Solche Fälle . . . die gehen mir richtig nach.» Seine Stimme wird leiser. Man merkt: Für ihn sind das keine Nummern, sondern Geschichten.

Vier Border Collies gehören aktuell zum Haushalt, dazu ein Mischling im Look eines Berner Sennenhundes und drei Pudel, die vermutlich den sozialen Überblick behalten. Grundsätzlich sollen die Tiere nur bleiben, bis ein gutes Plätzchen gefunden ist. «Grundsätzlich» – ein Wort, das hier den gleichen Realitätswert hat wie «gleich fertig» bei Restaurationsprojekten. Wer einmal auf dem Hof gelandet ist, spürt die Wärme, und nicht wenige bleiben wider jede Planung einfach da.

Dass dieses Hobby Zeit frisst wie ein Scheunendrescher Heu, versteht sich. Dazu ein privates Budget, das regelmässig unter Volllast läuft. Alexandra betreibt eine Tierphysiotherapie, hilft nebenbei in einer Tierarztpraxis und führt Gäste durch die Stadt Solothurn. Ein Programm, das andere nur vom Hörensagen kennen. Und Andreas? Der baut in der ganzen Schweiz Rampen wie «Irus Mix» auf, kennt jede Werkstatt zwischen Genf und Kreuzlingen – und findet trotzdem täglich die Energie, abends auf dem Hof nach dem Rechten zu schauen.

Wenn die Sonne über Hubersdorf kippt und die Tiere langsam ruhiger werden, dann steht er manchmal da, still, den Blick auf die Weide gerichtet. «Es ist aufwändig. Extrem sogar. Aber jedes einzelne Tier . . . das lohnt sich», sagt er. Und man glaubt es ihm sofort.
Vielleicht ist das die wahre Kunst des Carrossiers beziehungsweise des Lackierers: nicht nur Blech zu richten, sondern auch Leben. In Hubersdorf gelingt beides – mit Herz, Humor und einem Hof, der jeder Reportage die Schau stiehlt.

Ferdinand, der Güggel. Gross wie ein kleiner Truthahn, sanft wie ein Stofftier – und so zutraulich, dass man ihn ohne Protest hätte auf den Arm nehmen können.

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