Herr Wyder, wie erlebten Sie die ersten neun Monate im Amt?
Die Zeit verging wie im Flug. Ich wurde von einem motivierten Team empfangen. Dass ich die Perspektive des Lackierers und des Lieferanten kenne, hat die Einarbeitung beschleunigt. Mein Vorgänger Enzo Santarsiero hat mich hervorragend begleitet, sich aber seit Januar aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Ich bin froh, auf sein Know-how zählen zu können, da das Geschäftliche nun in meiner Hand liegt.
Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben?
Mein Fokus liegt auf der Teamentwicklung und der finalen Integration unseres KMU (ehemals André Koch AG) in einen Grosskonzern. Wir befinden uns in einem systemtechnischen und kulturellen Prozess, während wir gleichzeitig unseren hohen Dienstleistungsstandard weiter ausbauen.
Welche Ziele verfolgen Sie?
Priorität hat die Förderung der Bindung von Kunden und Mitarbeitenden. Denn langfristige Performance entsteht nur auf einer
starken Grundlage. Der Markt ist herausfordernd: Das Durchschnittsalter der Autos steigt, was bei sinkender Versicherung-abdeckung oft dazu führt, dass Reparaturen unterbleiben. Dass
wir in diesem Umfeld dennoch wachsen, ist ein grosser Erfolg.
Sie sind in grosse Fussstapfen getreten. Wie wirkt das?
Ich empfinde es vor allem als grosse Motivation und Chance. Enzo hat gemeinsam mit seinem Team über viele Jahre hinweg eine aussergewöhnlich starke Basis geschaffen – darauf können wir heute aufbauen. Gleichzeitig beginnt mit der finalen Integration in den Konzern eine neue Phase der Unternehmensentwicklung. Mein Anspruch ist nicht, Enzo zu kopieren, sondern gemeinsam mit dem Team die nächste Ära erfolgreich zu gestalten und dabei eigene Akzente zu setzen.
Wo mussten Sie neu dazulernen?
Die Branche kenne ich bestens. Neu für mich waren die strategischen Strukturen des Unternehmens sowie die inhaltliche Tiefe von Repanet Suisse. Dieses Netzwerk gehört weltweit zu den herausragenden Stärken von Axalta und zählt innerhalb des Unternehmens zu den bedeutendsten und erfolgreichsten Alleinstellungsmerkmalen. Wir sind stolz, dass es den Kunden einen enormen Mehrwert, weit über das Produkt hinaus, bietet.
Wo liegt die grösste Herausforderung?
Im Spannungsfeld zwischen zwei unterschiedlichen Welten. Einerseits wollen wir die Stärke und die Ressourcen eines Weltkonzerns gezielt nutzen, andererseits im Markt weiterhin so agil, nahbar und kundenorientiert auftreten wie ein familiengeführtes Unternehmen. Entscheidend ist, beides konsequent miteinander zu verbinden und als Stärke zu nutzen.
Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?
Mein persönlicher USP liegt in einer Kombination aus Nahbarkeit, Leadership und ausgeprägtem Teamverständnis. Ich sehe meine Aufgabe darin, Potenziale in Menschen zu erkennen und gezielt zu fördern. Gleichzeitig kenne ich die Perspektive unserer Kunden aus eigener Erfahrung und verstehe ihre Herausforderungen sehr gut. Dadurch kann ich gemeinsam mit dem Team pragmatische und funktionierende Lösungen entwickeln.
Was brauchen Ihre Kunden heute am nötigsten?
Einen verlässlichen Partner, der sie durch den Marktwandel begleitet. Versicherungsfusionen, E-Mobilität und neue Marken verändern die Prozesse massiv. In diesem Umfeld ist Orientierung entscheidend – und genau dabei unterstützen wir die Betriebe mit Erfahrung, Stabilität und klarer Ausrichtung.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Branche?
Der Wandel beschleunigt sich. Bei E-Fahrzeugen sinkt der mechanische Servicebedarf, was das After-Sales-Bild verändert. Im Carrosseriebereich ist die Lage stabiler, aber anspruchsvoller. Man muss heute immer mehr erfüllen, um gleich viel zu verdienen. Neue Marken drängen auf den Markt, oft fehlen Reparaturleitfäden oder Ersatzteilwege. Auch die Vernetzung nimmt zu – bis hin zum 3D-Druck von Teilen direkt im Betrieb. Wer den Anschluss nicht verpassen will, muss up-to-date sein.
Ihre Botschaft an die Leser?
Wir bleiben ein verlässlicher Partner und eine führende Kraft im Markt. Gleichzeitig entwickeln wir unser Angebot konsequent weiter, um auch künftig die erste Adresse für unsere Kunden und Partner zu sein.