Allgemein, Colour & Technik

Nachhaltigkeit beginnt beim Prozess

In Zeiten massiv steigender Energiekosten und verschärfter Umweltauflagen wird die Effizienz in der Lackierkabine zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Mit der dritten Generation der Fast Cure Low Energy (FCLE) Technologie definiert Axalta den Standard neu: OEM-freigegebene Systeme, die nicht nur CO₂ einsparen, sondern die Energiekosten pro Reparatur nahezu halbieren.
Der Druck auf Schweizer Carrosseriebetriebe wächst: Steigende Gas- und Strompreise belasten die Margen, während Versicherer
und gcr-Zertifizierungen («green car repair») nachhaltige Prozesse einfordern. Clint Kaufmann, Technische Leitung und Produktmanagement bei Axalta Access Switzerland, sieht einen klaren Marktdurchbruch: «Nachhaltige Systeme sind
heute keine Nische mehr, sondern der Standard. Wer profitabel bleiben will, muss auf komplette Systemlösungen aus Lack,
Energieeffizienz und Prozessoptimierung umstellen.»
 
Clint Kaufmann, Technische Leitung und Produktmanagement bei Axalta Access Switzerland: «Wer profitabel bleiben will, muss auf komplette Systemlösungen aus Lack, Energieeffizienz und Prozessoptimierung umstellen.»

Technologische Speerspitze: Die Generation 3

Die neuesten FCLE-Systeme der Premiummarken Standox (Xtreme System), Spies Hecker (Speed-TEC) und Cromax (Ultra Performance Energy) markieren
einen technologischen Wendepunkt. Während früher technische Restriktionen
bestanden, erfüllt die aktuelle Generation alle OEM-Kriterien und besitzt Freigaben der wichtigsten Fahrzeughersteller. Damit ist der Einsatz auch bei Garantiearbeiten uneingeschränkt möglich.
Dank einer patentierten Chemie, die Luftfeuchtigkeit zur Trocknung nutzt, reduziert das System nicht nur den VOC Ausstoss, sondern radikal den
Energieverbrauch. Die Zahlen
sprechen für sich:

– Konventionell: 60 °C Ofentemperatur / 30 Min. Trocknung /
ca. 25–30 kWh Verbrauch.
– Modern (FCLE): 40–50 °C Ofentemperatur / 10–15 Min. Trocknung
/ ca. 15–18 kWh Verbrauch.
– Maximum: Bei Lufttrocknung (20 °C) sind gemäss Axalta bis
zu 50 Prozent Energieersparnis möglich.

Bei rund 800 Lackierungen pro Jahr spart ein Betrieb so allein
durch den Systemwechsel mehrere tausend Franken Energiekosten.

Der Faktor Mensch: Prozess vor Produkt

Ein Systemwechsel ist jedoch kein Selbstläufer, der nur im Farbmischregal stattfindet. Laut Kaufmann scheitern Einsparungen
oft an veralteten Abläufen oder fehlendem Know-how: «Ein Systemwechsel betrifft nicht nur das Produkt. Entscheidend
ist, dass der gesamte Prozess angepasst wird – Applikation, Trocknung und die Abläufe im Betrieb. Ebenso wichtig sind die Schulung der Lackierer und ein integriertes Farbmanagement.»
Nachhaltigkeit beginnt also bereits bei der Annahme und zieht sich durch das gesamte Routing in der Werkstatt. Ein schnelltrocknender Füller bringt nur dann Profit, wenn das Fahrzeug danach nicht zwei Stunden unproduktiv in der Halle steht.

Ausblick: Digitalisierung und Wirtschaftlichkeit

Die geopolitische Lage wird den Druck auf Ofentemperaturen und Durchlaufzeiten weiter erhöhen. Nachhaltigkeit wird so vom reinen Umweltargument zum harten ökonomischen Faktor. Die Zukunft gehört Betrieben, die Digitalisierung (digitale Mischsysteme, Prozessanalysen) und moderne Chemie vereinen.
Kaufmann fasst zusammen: «Nachhaltigkeit beginnt beim Prozess. Und da gehört alles dazu. Selbst mit FCLE-Produkten allein ist man noch nicht nachhaltig.» Das Ziel der nächsten Jahre ist klar definiert: Weniger Energie, weniger Material, höhere Geschwindigkeit – bei gleichzeitig höchster Oberflächenqualität.

Text / Bilder: Henrik Petro, carrossier April 2026

Kontakt

Haben Sie Fragen? Wir sind für Sie da: