Lara, woher kommt eigentlich deine Motivation deine Fähigkeiten im Bereich Carrosserielackierung im Wettbewerb zu messen?
Bist du generell ein «Showgirl», dem Konkurrenz nichts ausmacht oder wie kam es dazu, dass du dich für die Teilnahme an den Regional-Meisterschaften 2022, wo du dich dann an der QV 2022 für die SwissSkills 2022 qualifiziert hast und dort die Goldmedaille gewonnen, also Schweizermeisterin wurdest, entschieden hast?
Ich bin eigentlich gar nicht gerne im Rampenlicht, jedoch war ich für die ganzen Meisterschaften bestens vorbereitet durch meine Arbeit bei der Bartlome AG. Ich konnte davon profitieren, dass wir im Alltag oft sehr viel Arbeit haben und ich dadurch schon früh schnelle und gleichzeitig qualitativ hochwertige Arbeit leisten musste. Ich bin schon bei den Regionalmeisterschaften, aber dann auch an die SwissSkills und auch an die WorldSkills ohne grossen Druck an mich selbst angetreten und habe mir gesagt: „Es reicht für das, wo es reicht.“ Und es hätte nicht besser sein können. Für mich war zudem immer ein Hauptgrund andere Menschen damit zu erreichen und zu zeigen, wie cool mein Beruf ist.
Wer oder was hat dich, nach deinem fulminanten Erfolg «Schweizermeisterin SwissSkills 2022», dazu bewogen auch an die WorldSkills zu gehen und hat sich die Vorbereitung darauf sehr zu den Regional-Meisterschaften oder den SwissSkills unterschieden?
Lara:
Einerseits bekam ich immer sehr gute Unterstützung von meinem Lehrbetrieb, der das Ganze befürwortet, aber auch ich selbst wollte meinen Beruf vertreten und anderen zeigen, dass der Beruf sehr toll ist und hoffe auch, dass ich mehr junge Menschen erreichen kann, so dass sie sich für diesen Beruf entscheiden.
Es war für mich auch eine extreme Bereicherung an Wissen und tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte. Die Vorbereitungen waren total anders, weil ich ein komplettes Trainer Team hinter mir hatte, die mir ihr Know-how mitgegeben haben und ich sowohl fachlich wie auch persönlich wachsen durfte.

Inwiefern hat dein Ausbildungs- und Repanet Suisse Partnerbetrieb, die Carrosserie Bartlome AG, dich in Bezug auf die Vorbereitung der WorldSkills 2024 unterstützt?
Wer oder was war alles wichtig dafür und warum?
Gab es etwas, das auf gar keinen Fall hätte fehlen dürfen für deinen Erfolg?
Und du hattest ja noch Pascal Lehmann als deinen Trainer, richtig?
Was spielte er für eine Rolle für dich?
Lara:
Die Unterstützung von meinem Betrieb und meinem Chef Fritz, meinem Experten und gleichzeitig Trainer, Pascal Lehmann, meiner Mentaltrainerin und anderen Menschen in meinem Umfeld war extrem wichtig. Ohne die wäre das alles gar nicht möglich gewesen. Alle haben alles gegeben damit, ich bestens vorbereitet an die WorldSkills gehen konnte.
Auch war gut, dass mir Daniel Meier das Lackmaterial von Glasurit näher gebracht hat, weil ich normalerweise gewohnt bin mit Standox zu arbeiten. Alle haben dafür gesorgt, dass ich mich voll und ganz auf das Training konzentriere und mich auf das ungewohnte Material einlasse.
Und schön war, dass alles rund um die WorldSkills herum so toll organisiert wurde und mir praktisch alle Hindernisse aus dem Weg geräumt wurden.

Was war für dich die heftigste Aufgabe an den WorldSkills 2024 und wie hast du diese Herausforderung gemeistert?
Die anspruchsvollste Aufgabe war einerseits das Tür-Modul, die vier Stunden dauerte und die Dekorarbeit (die Spiegelschale), wofür ich drei Stunden Zeit hatte. Dabei war ich unter extremen Zeitdruck und hatte extrem viel zu tun.
Hier war Genauigkeit und auch Perfektion gefragt. Ich denke ich konnte diese beiden Aufgaben souverän lösen, indem ich immer ruhig geblieben bin und mich an meinen Plan gehalten habe. Ich habe bezüglich der Tür im Voraus mit meinem Techniker von der Schweiz, Daniel Meier, abgeklärt, was die Farben für ein Deckverhalten haben, und er konnte mir super helfen, so dass ich bestens für diese Aufgabe vorbereitet war.
Auf welche Aufgabe hast du dich fast schon gefreut, weil sie dir grundsätzlich liegt und leicht fällt?
Lara:
Das waren ebenfalls die beiden anspruchsvollsten Aufgaben, also das Tür-Modul und die Dekorarbeit, einfach weil ich wusste, dass hier auch meine Stärken liegen. Ich weiss, wie mit Zeitdruck umzugehen und ich gleichzeitig Perfektion zeigen kann. Es waren auch Aufgaben, die wir intensiv trainiert haben und ich wusste, dass ich gut vorbereitet bin, um diese Aufgaben auch zu meistern.
Wie hast du die Nachmittage und Abende nach den Wettkampfzeiten verbracht?
Wie kamst du wieder zu neuer Energie?
Lara:
Ich habe die Zeit mit den anderen Kandidaten aus dem Schweizer Nationalteam verbracht, also mich zum Beispiel mit dem Landschaftsgärtner oder dem Koch unterhalten. Jeder Teilnehmer hat von seinem Tag erzählt und was vielleicht auch nicht so gut gelaufen ist. Ich habe gerne meine Mitstreiter beruhigt und wir haben uns einfach gegenseitig Energie gespendet und uns berichtet, was am nächsten Tag auf einen zukommt. Den Fokus auf das Nächste zu lenken, anstatt am Vergangenen hängenzubleiben ist wichtig. Es war immer schön mit Gleichgesinnten zu reden und so den Zusammenhalt zu spüren.
Lara, bist du eigentlich dein grösster Kritiker?
Lara:
Ja. Ich sehe definitiv mehr die Fehler von mir als das, was ich super gemacht habe. Der Experte sagte dann am Abend immer zu mir «Wer weiss, ob es überhaupt gesehen und auch bewertet wurde».
Lara, du hast in deinen jungen Jahren schon so viele, intensive Berufserfahrungen gesammelt wie kaum jemand. Was liebst du am meisten an deinem Beruf, auch jenseits von Meisterschaften, und warum?
Lara:
Am meisten liebe ich natürlich das Lackieren und auch das Arbeiten mit Farbe und wenn ich mal kreativ arbeiten kann. Zudem ist jeder Schadenfall oder jedes Auto anders und das bringt somit Abwechslung in den Berufsalltag. Ich mache sehr gerne grosse Projekte, wo ich mich richtig in meine Arbeit vertiefen kann.

Hast du denn eine Lieblingsfarbe?
Lara: (lacht) Nein. Ich arbeite tagtäglich mit so vielen Farben, die schön sind… Wenn ich unbedingt aussuchen müsste, dann wäre es wohl ein Blau oder Grün.
Sind dir auch Schattenseiten am Beruf aufgefallen? Falls ja, wie kann man diesen begegnen?
Lara:
Es gibt manchmal Arbeiten, die nicht so schön oder auch nicht cool sind zu machen, für mich jetzt das Auto «röstele» (vom Rost befreien), aber die positiven Arbeiten im Alltag überwiegen klar.
Und nun fragen sich bestimmt alle, was wird Lara als Nächstes tun? Hast du noch weitere ambitionierte Ziele, z.B. den Berufsmeister noch zu machen, oder wie malst du dir deine Zukunft für die nächsten Jahre aus?
Auf jeden Fall erst einmal weiterhin in meinem Ausbildungsbetrieb weiterarbeiten. Und ich werde bei den kommenden Regionalmeisterschaften im nächsten Jahr, bei allen vieren, Trainingsleiterin und in Bern dann auch bewerten.
Auch werde ich mich sicher bei den Schweizermeisterschaften weiterhin engagieren und für die Vorbereitung der Kandidaten mit meinem Know-how zur Verfügung stehen. An den SwissSkills werde ich auch bewerten und mich generell dafür einsetzen, dass die Bewerbe weiterhin stattfinden. Gerne unterstütze ich auch den nächsten Kandidaten dann für die WorldSkills.
Ich fände es einfach schön, wenn es jedes Mal an den WorldSkills auch wieder einen Schweizer oder eine Schweizerin aus unserem Berufsfeld dabei hat.
Und was dann später noch kommt, ist noch nicht klar.
Wir hoffen jedenfalls, dass du der Carrosserie-Branche noch lange mit deinen unglaublichen Fähigkeiten und deiner tollen Persönlichkeit erhalten bleibst 🙂
Wir wünschen Dir weiterhin alles erdenklich Gute und viel Freude und Erfüllung in deinem Berufsalltag!

Herr Bartlome,
könnte man sagen, sie betreiben so etwas wie eine Talent- und Expertenschmiede in Ihrer Carrosserie ?
Neben ihrem Sohn, Dominik Bartlome, der 2022 auch Vizeweltmeister bei der WorldSkills Competition 2022 im Berufszweig Carrosseriespengler wurde, ist auch Lara bei der Fahrzeuglackierung ebenso so erfolgreich.
Wie erklären Sie sich das und was tun Sie und Ihre Berufsbildner für diese ausserordentlichen Erfolge Ihrer Mitarbeitenden?
Fritz Bartlome:
Unser Sohn Dominik genoss eine sehr gute Ausbildung während seiner Lehre in einem Carrosseriebetrieb in Niederwangen, wodurch er die Regio- sowie die Schweizermeisterschaft gewonnen hat. Anschliessend wechselte er den Betrieb in Richtung Berner Oberland, wo er den Vizeweltmeister Titel bei den Carrosseriespengler erreichen konnte.
Während dieser Vorbereitungszeit war er auch viel an seinen freien Tagen, also an den Wochenenden, bei uns im Betrieb am Üben. Er wollte unbedingt sein Ziel erreichen, dafür hat er sehr viel getan. Sein Einsatz motivierte sicher auch den oder die eine oder andere zusätzlich bei uns im Betrieb.
Wie im Leben braucht es bei der Auswahl auch etwas Glück. Lara war und ist immer ehrgeizig, zielstrebig und pflichtbewusst. Manchmal brauchte es trotzdem von mir oder dem Berufsbildner ab und zu eine Anstachelung für noch bessere Leistung. So erzielte Lara dann an den Regio-Meisterschaften den 2. Rang, an der QV den 2. Rang und an der Schweizermeisterschaft dann den 1. Rang.
Die Berufsbildner und alle Mitarbeiter bei uns haben Feuer und Herzblut für Ihren Beruf. Das überträgt sich auf die Jungen. Und auch wenn man einmal streng sein muss, wenn sich die Erfolge dann aber zeigen, sind die Jungen später froh, dass man sie zu Höchstleistungen angetrieben hat.
Sicher ist auch wichtig, dass man vor den Wettbewerben dem oder der Teilnehmerin auch Zeit gibt während dem Berufsalltag die Fertigkeiten weiter zu üben und zu verfeinern.
Stefan:
Die Lernenden können bei uns früh selbstständige Arbeiten ausführen, wo sehr auf die Qualität geschaut wird. Zudem arbeiten wir hier im Team, wo wertvolle Tipps weitergegeben werden können.
Jan :
Wir fordern die Lernenden jeden Tag aufs Neue mit anspruchsvollen Aufgaben, wo sie selbst studieren und diese bestmöglich ausführen sollen. Das benötigt viel Zeit, Geduld, Wille und Erfahrung. Aber dieses Investment zahlt sich auf lange Sicht aus, da die Lernenden immer selbstständiger und pflichtbewusster werden. Und es ist halt so: Die Übung macht den Meister.

Was macht, Ihrer Meinung nach, einen Top-Ausbildungsbetrieb wirklich aus? Auf was kommt es konkret an? 2018 erhielt die Bartlome AG ja auch die Stufe 3 Zertifizierung durch den VSCI (jetzt carrosserie suisse) zum Top-Ausbildungsbetrieb.
Bei uns steht die Berufsbildung und Nachwuchsförderung einfach klar im Vordergrund. Wir alle «leben» das. Das schliesst mit ein, dass man sich auch als Chef reflektieren kann und gegebenenfalls später nochmals das Gespräch mit seinen Mitarbeitenden sucht.
Fehler macht jeder einmal, wichtig ist, dazu zu stehen und aus ihnen zu lernen. Es geht um Motivation, aber es ist auch ein schmaler Grat und man kann es auch einmal übertreiben. Es geht also darum den eigenen Umgang mit den Lernenden jederzeit zu überprüfen und ihn allenfalls zu ändern und anzupassen. Man kann alles auch direkt ansprechen. Auch das bringt die Vorbildfunktion für die Jungen mit sich.
Herr Bartlome, was braucht es alles, um junge Berufsfachleute zu Spitzenleistungen zu motivieren und wie viel steckt bei den Erfolgen Ihrer Mitarbeitenden Ihr ganz persönliches Herzblut mit drin?
Fritz:
Ich war selbst auch einmal Teilnehmer bei der Schweizermeisterschaft, daher werden unsere Lernenden auch früh mit dieser Möglichkeit konfrontiert. Ich und wir bringen den jungen Leuten schnell eine gewisse «Freude am Ehrgeiz» und «Freude am Erfolg» bei. Alles, was sie erreichen, machen sie ja selber und für sich selber. Mein Ziel ist, dass die Begeisterung für den Beruf auf die Lernenden überspringt. Sobald eine Eignung und die Motivation spürbar ist, wird das bei uns weiter gefördert und unterstützt.
Lara:
Es zahlt sich aus. Es ist wirklich so, dass man später auf sich selbst auch sehr stolz ist, wenn man zurückschaut und sieht, was man mit seinen eigenen Fähigkeiten alles geleistet hat.
Welche Ausbildungs- und Arbeitsphilosophie verfolgen Sie und Ihr Bruder Christian Bartlome und warum ?
Fritz:
Ganz klar: Qualität vor Quantität. Das bewährt sich immer. Heisst, lieber etwas weniger machen, aber dafür in Spitzenqualität.
Planen Sie schon eine weitere Teilnahme mit einen Ihrer jungen Talenten an den nächsten Swiss- oder WorldSkills? Oder wie geht’s weiter?
Fritz:
Das kann ich im Moment noch nicht sagen. Das wird die Zeit zeigen.
Schon seit 75 Jahren ist die Bartlome AG in Rüschegg verwurzelt und erfolgreich.
Wo sehen Sie für Ihren Handwerksbetrieb in der Carrosserie-Branche die Zukunftschancen für weitere Entwicklung und Wachstum?
Fritz:
Zunächst möchten wir sicher das Bewährte weiterverfolgen, was den Grundsatz «reparieren statt ersetzen» überall miteinschliesst. Dann auch auf unserer, gewohnt hohen, Arbeitsqualität zu bleiben.
Das schaffen wir, weil für uns Aus- und Weiterbildung so wichtig sind. Unsere guten Kundenbeziehungen und Partnerschaften, wie mit Repanet Suisse, sind auch Basis unseres Erfolgs. Wir haben noch Potential in der Digitalisierung, aber auch da sind wir schon dran.
Wir erhalten nämlich demnächst die neue Axalta Irus Mix, die vollautomatische Farbmischmaschine. Das wird sicher noch eine enorme Effizienzsteigerung beim Farbenmischen mit sich bringen.
Lara:
Ich stehe der Digitalisierung sehr offen gegenüber und bin privat ziemlich digital unterwegs. Ich freue mich daher, dass sie auch in unserem Betrieb immer mehr Einzug hält. Richtig eingesetzt kann uns die Digitalisierung sicher sehr nützen und Prozesse beschleunigen.

Lara:
Ich stehe der Digitalisierung sehr offen gegenüber und bin privat ziemlich digital unterwegs. Ich freue mich daher, dass sie auch in unserem Betrieb immer mehr Einzug hält. Richtig eingesetzt kann uns die Digitalisierung sicher sehr nützen und Prozesse beschleunigen.